Welche Windeln gibt es?

Basics Teil 1

In meiner 14-teiligen Wissensreihe veröffentliche ich Tipps und Tricks und gebe nützliche Informationen rund um das Thema Windeln, Anwender & Co. Diese richtet sich nicht nur an junge und angehende Windelträger, die sich noch nicht so mit den Produkten und der Materie auskennen, sondern auch an erfahrende, die noch etwas optimieren und dazulernen wollen. Dabei ist unwichtig, ob du Windeln aus medizinischen Gründen oder zum Spaß trägst. Bitte habe Verständnis, wenn sich meine Ratschläge von deiner Praxis etwas abweichen. Du kannst mir gerne eine Nachricht schreiben, wenn ich was ändern oder ergänzen soll.

Im ersten Teil befasse ich mich mit dem Thema Inkontinenzprodukten. Ich kläre auf, welche Hilfsmittel es derzeit auf dem Markt erhältlich sind und ob sie für dich in Frage kommen. Für Verbraucher ist es am Anfang ziemlich schwierig und aufwendig, das richtige Produkt zu finden. Das große Problem ist, das Apotheken und Sanitätshäuser nur eine begrenze Anzahl von Produkte meist eines Herstellers im Sortiment haben. Es ist die Nadel im Heuhaufen.

Das richtige Produkt zu finden hängt überwiegend vom Harnverlust pro Stunde, Anwendungsbereich, Größe und Passform ab. Eine Windel muss man auch mal mehrere Stunden tragen können, ohne das die Gefahr besteht auszulaufen. In der Regel wird das Hilfsmittel alle 3 bis 4 Stunden, nachts auch nach 10 Stunden gewechselt. Die Hersteller unterteilen die Produkte in 4 Saugstärken, damit befassen wir uns aber im nächsten Teil kommender Woche.

Alle großen Hersteller führen die unterschiedlichsten Inkontinenzprodukte in ihrem Sortiment –für tagsüber oder für die Nacht. Wer soll da noch durchblicken, wenn es noch nicht mal die Apotheker können (Stiftung Warentest 03/2001).

Einlage mit Folie
Wir beginnen mit den Einlagen. Diese ähneln einer Frauenbinde mit dem Unterschied das die etwas Saugstärker ausgeführt ist. Diese wird einfach in die Unterhose gelegt. Damit die Einlage nicht verrutscht, ist sie mit einem Haftstreifen ausgestattet. Es gibt zwei unterschiedliche Einlagen für unterschiedlichste Einsatzzwecke – mit Folienoberfläche oder mit textilähnlicher Oberfläche. Die zweite eignet sich nicht für die Unterhose, da diese Durchnässen können. Wofür man diese Einlagen benötigt komme ich später. Einlagen eignen sich überwiegend für Personen mit Tröpfcheninkontinenz oder leichte Harninkontinenz. Das Limit, was eine Einlage pro Stunde aufnehmen kann, ist schnell erreicht. Für diejenigen die Windeln nicht benötigen, sind mit Einlagen bestens aufgehoben.

Vorlage mit Folie
Wenn Einlagen von der Saugstärke nicht mehr ausreichen, solltest du dir Vorlagen anschauen. Auch diese gibt es wie die Einlage mit zwei verschieden Oberflächen. Die Vorlage ist eine abgewandelte Form von Windelslips. Da die Vorlage über keine Klebestreifen an den Seiten verfügt, benötigt man für die Fixierung eine Fixier- oder Netzhose. Die Netzhose ist in verschiedenen Materialien und Materialstrukturen erhältlich. Diese passt sich jeder Körperform an. Die Vorlage sollte eng am Körper sitzen, um ein auslaufen zu verhindern.

Das Hilfsmittel ist zwar viel größer und saugfähiger als eine Einlage, dennoch nahezu unsichtbar. Die Passform ist sehr gut. Vorlagen eignen sich bis mittlere Harninkontinenz. Für die Nacht ist diese nur bedingt geeignet – einfach ausprobieren. Da die Vorlage nicht direkt am Körper fixiert wird, kann diese bequem und schnell auf der Toilette im Stehen gewechselt werden.

Pants
Eine recht neue Generation von saugenden Inkontinenzprodukten sind Pants auch Windelhosen genannt. Anders als zu klassischen Windeln, werden Windelhosen wie normale Unterwäsche an- und ausgezogen. Da Pants optisch wie eine normale Unterhose aussehen, werden diese gerne von mobilen Patienten getragen. Die Windeln sind zudem sehr atmungsaktiv und reduzieren damit den Windelausschlag. Zum Wechseln der Pants können die Seitennähte aufgerissen werden. Für das Anlegen einer neuen Schutzhose muss man vorher jedoch die Bekleidung ausziehen. Die Saugleistung ist sehr gering und eignet sich für Personen mit leichter mit mittlere Harninkontinenz. Für erwachsene Bettnässer ist das Produkt eventuell nicht geeignet. Vor den Einsatz sollte das Produkt getestet werden.

Windelslips
Bei den Windelslips handelt es sich um klassische Windeln mit Klebestreifen, die man auch von Babywindeln her kennt. Es sind Hightechprodukte unter den Windeln. Zum Aufnehmen von Urin wird im Inneren des Slips Superabsorber eingesetzt. Die Windel wird mit Klebe- oder Kletttaps auf die PE/PP-Außenfolie am Körper fixiert. Zusätzliche Hilfsmittel sind nicht erforderlich. Bei vielen Produkten sind die Klebestreifen wiederverschließbar.

Windelslips werden überwiegend von Menschen mit starker Harn- und Stuhlinkontinenz und von Bettnässer verwendet. Da die Windel in Folie stark raschelt, ist diese auch bei den Windelliebhabern recht beliebt. Das Produkt lässt sich im Liegen problemlos anlegen. Mit etwas Übung, schafft man es auch im Stehen. Die Kleidung muss dafür nicht komplett ausgezogen werden.

Viele Hersteller machen sich Gedanken, die Luftzirkulation zu verbessern und das verdächtige rascheln zu beseitigen. Deswegen wird die Außenfolie durch die textilähnliche Oberfläche – CottonFeel ersetzt. Zum Ärger aller Windelliebhaber. Windeln mit Textiloberfläche reduzieren Ausschläge und reduzieren die Unfruchtbarkeit.

Windelträger die beim Anlagen bzw. wickeln im Stehen Probleme haben, bieten Hersteller auch Windelslips mit Hüftgürtel an. Der Gürtel wird um die Hüfte gelegt und fixiert. Danach wird das Vorderteil am Hüftgürtel befestigt. Diese Windelslips sind ausschließlich mit CottonFeel-Oberfläche ausgestattet. Diese Windelslips lassen sich nicht nur schnell wechseln, sondern können auch problemlos für das Toilettentraining eingesetzt werden.

Die Taps bestehen aus Klett und lassen sich mehrmals öffnen und schließen. Ungewohnt ist jedoch das die Windel an den Seiten nahezu frei, trotzdem aber dicht sind. Sie gibt es in den verschiedene Saugstärken. Bei heißen Tagen und Nächten vermisst man die Windel mit Hüftgürtel nicht mehr.

Einlagen und Vorlagen mit Textil
Wie schon erwähnt sind im Handel auch Einlagen und Vorlagen in Textiloberfläche erhältlich. Diese Inkontinenzhilfsmittel eignen sich hervorragend dazu um die Saugleistung von Windeln zu erhöhen. Dickere Windelpakete sind grade bei den Windelliebhabern recht beliebt. Die Windel zeichnet sich unter Kleidung nicht nur deutlich ab, sondern auch das Laufen im Watschelgang ist vorprogrammiert. Für den mobilen Einsatz unterwegs wäre die Kombination von dicken Einlagen oder Vorlagen in Windeln nicht geeignet, da auch der Windelpo zu erkennen wäre.