Kampftrinken unter Jugendlichen nimmt zu

Immer mehr Jugendlichen greifen zu Flasche. 17 Prozent der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren haben sich mindestens einmal im Monat in einen Rausch getrunken. Bei den 18- bis 25-jährigen sind es sogar 44 Prozent. Damit ist beim Rauschtrinken im Vergleich zur Erhebung in 2010 (18 Prozent/ 42 Prozent) keine Trendwende sichtbar. Die Ergebnisse wurden anhand der Studie „Der Alkoholkonsum von Jugendlichen und jungen Erwachsener in Deutschland 2012“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vorgestellt.

Zu den veröffentlichten Zahlen sagt Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung: „Rauschtrinken stellt gerade für Jugendliche ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar und kann zu einer lebensgefährlichen Alkoholvergiftung führen. Auch im letzten Jahr wurden deutschlandweit mehr als 26.000 Fälle von Alkoholvergiftungen registriert, bei denen Jugendliche im Krankenhaus behandelt werden mussten. Sehr beunruhigend finde ich zudem den sehr hohen Anteil junger Erwachsener, die sich regelmäßig in einen Rausch trinken. Beim Thema Alkohol tragen wir als Gesellschaft eine große Verantwortung, der wir noch besser gerecht werden müssen. Es ist an der Zeit, dass ein gesellschaftliches Umdenken zu einem verantwortungsvollen Alkoholkonsum stattfindet.“
Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA, betont: „Die Studie der BZgA zum Alkoholkonsum junger Menschen zeigt Licht und Schatten. So verzichten immer mehr 12- bis 17-Jährige vollständig auf Alkohol. 30 Prozent geben an, noch nie in ihrem Leben Alkohol getrunken zu haben. Vor zehn Jahren waren es lediglich 13 Prozent. Leider steht dieser positiven Entwicklung ein fast unverändert hoher regelmäßiger Alkoholkonsum der Jugendlichen ab 16 Jahren gegenüber. Fast 32 Prozent trinken mindestens einmal pro Woche Alkohol. Auch beim Konsum riskanter Alkoholmengen sind seit 2010 kaum Veränderungen zu sehen. Um hier eine Trendwende zu erreichen ist es notwendig, dass wir die medialen Präventionsanstrengungen fortsetzen und die Maßnahmen auf kommunaler Ebene intensivieren.“
Seit dem Jahr 2009 führt die BZgA mit Unterstützung des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV) die Präventionskampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“ durch, die sich insbesondere an junge Menschen richtet.
Dr. Volker Leienbach, Direktor des PKV-Verbandes, erklärt: „Hoher Alkoholkonsum ist ein Problem in allen Altersgruppen und dennoch setzen wir bewusst bei Jugendlichen an. Denn sie sind unsere Zukunft, und Erfolge bei ihnen wirken sich langfristig auch auf die Erwachsenenbevölkerung aus. Dass es Zeit braucht, bis sich der Umgang mit Alkohol in der Gesellschaft verändert, war uns immer klar: Die Private Krankenversicherung wird die Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“ deshalb auch in den kommenden Jahren unterstützen. Ermutigend ist für uns die immer weiter wachsende Bekanntheit und Akzeptanz von „Alkohol? Kenn dein Limit.“: 80 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen kennen die Kampagne bereits.“
Weil der Zustand der Jugendlichen die mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden, oft sehr schlecht ist, dass sie weder Blase noch Schließmusel kontrollieren können, bekommen sie zur Sicherheit eine Windel angelegt. Ab einer gewissen Blutalkoholkonzentration kann weder Urin noch Stuhlgang gehalten werden, eine vorübergehende Harn- und Stuhlinkontinenz liegt dann vor. Die Windel dient aber nicht nur dazu um das Bett zu schützen, sondern auch als Abschreckung. Für die Krankenschwester ist es auch eine Arbeitserleichterung die Patienten zu wickeln, als ständig das Bett neu beziehen zu müssen. Unter den Jugendlichen ist es sicherlich nicht cool von einer Krankenschwester gewickelt und sauber gemacht zu werden. Das Alter und Geschlecht spielt dabei keine Rolle.
Auch der nächsten Morgen ist für die jungen Patienten nicht weniger peinlich. Viele wachen mit voller Windel möglicherweise neben Kleinkindern auf. Wer dann noch die Eltern und Freunde am Bettrand stehen, ist auch dieser Tag sicherlich gelaufen. Wer glaubt die Schwestern gehen mit dir diskret um, damit bloß niemand die Windel sieht, ist schief gewickelt. Jeder der ins Zimmer kommt, sieht auch deine volle Windel. Wer seine grenzen nicht kennt, muss damit rechnen im Krankenhaus mit einer vollen Windel aufzuwachen und notfalls saubergemacht bzw. frisch gewickelt zu werden.
Die Betreuung von alkoholisierten Kindern und Jugendlichen ist meist sehr aufwendig. Neben dem Anlegen der Windel, müssen die Patienten ständig überwacht werden, damit sie nicht am Erbrochenen ersticken oder sogar bewusstlos werden. Alleine im Jahr 2012 wurden rund 26.673 Personen im Alter von 10 bis 20 Jahren, davon 3.999 Jugendliche von 10 bis 15 Jahren mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus stationär behandelt und lagen bestimmt gewickelt auf der Kinderstation. Immerhin bleibt einem am morgen der Kater erspart – dankt der Infusion.